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Krimi zwischen den Jahren

Ich beantwortete die SMS eines Kunden. Der Mann hatte einen Hund gekauft und bat mich um eine kurze Kontrolle der Papiere und des Transponders. Der Hund kam schließlich irgendwo aus den Weiten des ehemaligen russischen Reiches.


Nun, der Transponder war vorhanden, auslesbar und stimmte mit den Angaben im Europäischen Heimtierausweis überein. Ein Kollege hatte den für D und die EU vorgeschriebenen Ausweis ausgestellt, allerdings nicht geimpft. Vielleicht war das Tier sogar im Herkunftsland gegen Tollwut geimpft worden. Die das belegenden Papiere wurden mir allerdings nicht vorgelegt. Insgesamt 3 Tierärzte waren in dem erst anderthalb Jahre alten EU-Heimtierausweis verewigt. Jeder hat bissl was gemacht und das auch dokumentiert. Das fand ich ein wenig sonderbar. Hier scheint es jemand explizit auf eine Sammlung möglichst vieler Tierarztstempel aus der gleichen Stadt angelegt zu haben.


Der ehemalige Besitzer hatte den Hund an meinen Kunden verkauft, da er in seine Heimat zurückkehren wollte, den Hund aber angeblich nicht mitnehmen konnte. Also habe ich nach bestem Wissen und Gewissen beraten, die - denkbaren - Lücken in der Impfhistorie aufgezeigt und meine Meinung zum ebenfalls vorgelegten Kaufvertrag nach dem Muster einer Tierschutzorganisation gesagt. Da ich keine Juristin bin, natürlich alles unter dem Vorbehalt, daß nur ein echter Jurist die Rechtsgültigkeit der verschiedenen Haftungsausschlüsse, Konventionalstrafen etc etc etc korrekt bewerten kann. Und davon waren nicht wenige in dem Vertrag niedergeschrieben.


Mein Kunde berichtete dann noch, der Verkäufer hätte sich für einen letzten Besuch angemeldet. Er wolle sich vom Hund verabschieden. Das fand mein Kunde merkwürdig, denn bei der Übergabe auf dem Parkplatz hätte man einfach nur die Autotür geöffnet und den Hund in das Auto des Käufers geschickt. Der Hund wäre sofort zu seinen neuen Besitzern rübergehüpft und hätte auch keine Anzeichen gemacht, wieder zurück ins Auto des Verkäufers zu wollen. Man habe einfach Geld und Hund getauscht und sei wieder auseinandergegangen. Naja, gefahren.


Wirklich gepflegt sei der Hund auch nicht gewesen: beim ersten Gassigang hatte der Hund Würmer und Bandwurmglieder im Kot gehabt, also sei er sofort entwurmt worden.

Bei mir läuteten jetzt endgültig alle Alarmglocken. Warum waren neben dem Europäischen Heimtierausweis nicht auch die Dokumente vorgelegt worden, die die vorgeschriebene Tollwutimpfung im Herkunftsland belegen? Warum war der ehemalige Besitzer jedes Mal zu einem anderen Tierarzt gegangen? Haben die Kollegen möglicherweise unbequeme Fragen gestellt? Warum wurde der Hund gebracht, anstatt abgeholt zu werden? Und warum diese lapidare Übergabe zwischen 2 Autos aber hinterher noch ein "Abschiedsbesuch"?


Ich war skeptisch und teilte meine Gedanken. Der Käufer und seine Frau waren ebenfalls skeptisch und wollten wissen, welche Möglichkeiten sie überhaupt haben. Zunächst mal sollten sie sich die verschiedenen Klauseln im Kaufvertrag genau ansehen und sich nicht aufs Glatteis führen lassen. Dann müssen sie dem Verkäufer nicht einfach den Hund mitgeben, schon gar nicht für einen letzten Solo-Spaziergang. Vielleicht hätten sie sich die Autoschlüssel aushändigen lassen können, auf jeden Fall aber das Kennzeichen aufschreiben. Vielleicht würde eine zweite Sicherungsleine am Hund helfen, damit er nicht einfach aus dem Geschirr schlüpfen könnte. Schließlich stand die Silvesternacht bevor, da sollte man sowieso zusätzlich absichern. Nachdem wir eine Weile beratschlagt haben, verabschiedeten sich die Leute.


Spät abends bekam ich einen Bericht auf mein Handy. Der Verkäufer war tatsächlich mit einer zweiten Person aufgetaucht. Er würde den Hund jetzt wieder mitnehmen wollen, und im Land bleiben da seine Freundin hier ein Haus gekauft habe. Dann hätte er sich abfällig über die Wahl des Hundefutters, den neuen Namen des Hundes geäußert und die Entwurmung bekrittelt. Insgesamt hat er die Käufer für unfähig erklärt (vermutlich um einen Grund zu haben, das Geld nicht zu erstatten). Meine Kunden hatten sich allerdings Hilfe aus der Nachbarschaft geholt, so daß sie dem Verkäufer und seinem Helfer nicht allein gegenüberstanden.

Nach ca 2 Stunden voller Emotionen sind der Verkäufer und sein Helfer unverrichteter Dinge wieder abgezogen.


Ich bekam noch einen Anruf mit unterdrückter Rufnummer. Es sprach ein Mann mit Akzent, und vermutlich falschem Namen. Er wollte wissen, welche Papiere ein Hund für die Einreise nach Deutschland benötigen würde. Ich habe die Frage natürlich beantwortet. Vermutlich wird aber mein Name jetzt wieder auf Listen von Tierärzten stehen, die man unbedingt meiden muss, weil sie unbequeme Fragen stellen.

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